Brief

Vienna, Reigen
2009
Group exhibition

Letters of prisoners of war

DER BRIEF
An einem späten Nachmittag in der Hitze des Julis brachte uns Onkel Ali Nachrichten, die
die ganze Familie in Trauer versetzten.
Seine Worte erschienen mir damals unverständlich, jedoch spürte ich deren tragische
Bedeutung.
Onkel Abdulzahre war zu einem Kriegsgefangenen geworden. Der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran sollte von diesem Zeitpunkt an noch Jahre andauern.
In meiner Erinnerung hält mich meine Mutter an der Hand. In ihrer zweiten Hand hält sie
das Foto meines Onkels. Wir warten mit einer großen Gruppe schwarz gekleideter Frauen
vor dem Gebäude des Roten Kreuzes in Bagdad. Keiner der dort entlassenen Männer kennt meinen Onkel. Und kein Brief erreicht uns jemals mit Nachrichten von ihm.
Als der Lärm der Kanonen verstummte und wir dachten, dass alles vorbei ist, hatten wir
den Krieg schon zu unserem Spiel gemacht. Wir kannten nichts anderes als die aus Holz
geschnitzten Kalaschnikows und Pistolen.
Wir waren noch Kinder, als der Krieg ausbrach.
Wir waren noch Kinder.
Wir versuchen mit unserer Performance das Phänomen Krieg und die Bedeutung von
Nachrichten in Form von Briefen zu interpretieren.
Die Erinnerung unserer Kindheit verbindet uns – es sind dieselben Erinnerungen.


Teilnehmende Künstler:
Ali Waresh
geboren 1968 in Bagdad, Hochschule für bildende Kunst Bagdad
Abdallah Schmelawi
geboren 1982 in Bagdad, Hochschule für bildende Kunst Bagdad
Yaser Alsuhili
geboren 1975 in Bagdad, Hochschule für bildende Kunst Bagdad
Rahman Hawy
geboren 1972 in Bagdad, Hochschule für bildende Kunst Bagdad, Universität für
angewandte Kunst Wien.