Unter Steinen

„Kriege gibt es nicht deshalb, weil es draußen in der Welt Gruppen gibt, die sich bekriegen.

Im Grunde gibt es Kriege deshalb, weil der Mensch mit sich selbst im Streit liegt. Die Wurzel des Krieges liegt in ihm selbst.

Draußen sind nur seine Äste und seine Blätter sichtbar.“ (Osho)

 Der Ausgangspunkt des Projektes ist das Jahr 1938 und die Annexion Österreichs. Die darauf folgenden Ereignisse stellen für uns unter anderem die Unfähigkeit der Sprache dar. Eine Sprache, die die Funktion der Verständigung verloren hat und schlussendlich zum Krieg führt.
Gewalt ist in unserer Sprache verankert, so wie Krieg in unserem Inneren.
Die Stimmen der Opfer und Täter werden aufgerollt und die Wörter ihrer Klagen in einer Installation und einer Performance dargestellt.

Die Arbeit des Bildhauers Rahman Hawy besteht aus circa 300 Schriftzeichen, die jedoch abstrahiert, unverständlich und dadurch frei in der Möglichkeit ihrer Interpretation sind.
Unterschiedliche Schriftsysteme erlauben einen universellen Zugang.
Als Material habe ich Gips gewählt, der in ein Sandbett gegossen wird.  
Gips ist unendlich formbar, vergänglich, zerbrechlich und stabil zugleich.
Die Schriftzeichen sind jeweils circa 100x100cm groß.

Wörter schreiben Geschichte. Aber die darauf folgenden Handlungen verursachen Schmerz und Leid.
Wir wollen in unserem Projekt weder einen Mythos zerstören, noch einen aufbauen. Auch geht es nicht um eine politische Stellungnahme.
Durch den künstlerischen Prozess werden die Ereignisse in die Gegenwart geholt. Der Klang der Klagen wird lebendig, um die Sinnlosigkeit des Krieges immer wieder in das Bewusstsein zu rufen. Die Beschäftigung mit dem Thema Krieg sollte darauf abzielen, Fragen zu klären und Hintergründe zu verstehen, Betroffenheiten auszudrücken und zu verarbeiten und Alternativen zu erkennen und einzufordern.

Krieg hat das Leben von Rahman Hawy entscheidend beeinflusst. Verstanden hat  er ihn jedoch nicht. Weder die Gewalt in der Sprache, noch die in den Taten.
Es ist seine eigene Geschichte. Die Geschichte seiner Kindheit, in der er drei Hinrichtungen mit ansehen musste. Die Schreie der Menschen, die an eine Säule gebunden und erschossen wurden, wollte niemand hören.
Der Soldat richtet seine Waffe auf das Ziel und im nächsten Moment küsst und umarmt er seine Kinder. Wie könnte man das auch verstehen?

„Können Liebende sich treffen und Küsse tauschen auf Schlachtfeldern, deren Luft vom Rauch der Bomben verseucht ist?“ (Khalil Gibran)